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Pressemitteilung Nr.: 31-12-08
Einzelfallprüfung statt Öko-Fundamentalismus
Seit der
vergangenen Gemeindevertretersitzung ist es amtlich. Mit den
Stimmen der Koalition von SPD, FWG und Grünen wurde deren
Antrag beschlossen, dass künftig alle Gebäude der Gemeinde
nach dem Passivhaus-Standard zu bauen oder zu sanieren sind.
Ausnahmen sind nur nach „ausführlicher Begründung“ und unter
Beteiligung des Bauausschusses möglich. Aber auch bei diesen
Ausnahmen soll zumindest der Wert der
Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) für Neubauten eingehalten
werden. Bei elektrischen Anlagen der Gemeinde muss auf das
Standby-Verfahren generell verzichtet werden, außerdem
dürfen nur noch Energiesparlampen eingesetzt werden.
Die
CDU-Fraktion sieht den Beschluss kritisch. „Natürlich sind
alle daran interessiert, dass der Energieverbrauch gesenkt
wird, allerdings macht der Ton die Musik“, so der
CDU-Vertreter im Bauausschuss Jan Weckler. Der Antrag sei in
den meisten Bereichen zu eng formuliert, pauschal und grenze
in den Formulierungen an ökologischen Fundamentalismus. Im
vergangenen halben Jahr ist im Bauausschuss unter dem
damaligen Vorsitzenden Thomas Senger intensiv über den
Antrag beraten worden. Unter anderem wurde die
Technikerschule in Butzbach besucht, die im Bereich des
Passivhausstandards vorbildlich arbeitet. Außerdem war eine
Architektin Gast im Ausschuss, die als Frau vom Fach
Auskünfte über Möglichkeiten und Grenzen der
Passivhausbauweise gab. Die daraus resultierenden
Erkenntnisse hat die CDU aufgenommen und einen
Änderungsantrag in die Ausschüsse und die Gemeindevertretung
eingebracht.
„Wir
fordern grundsätzlich eine Prüfung im Einzelfall nach
ökologischen, aber auch ökonomischen Gesichtspunkten. Eine
solche Prüfung sieht der Antrag der drei Parteien gar nicht
vor“, so Jan Weckler. Falls bei der Sanierung von Gebäuden
der Energieverbrauch des Passivhaus-Standards „in
begründeten Ausnahmen“ nicht möglich sei, müsste, so der
Antrag von SPD, FWG und Grünen, zumindest der Wert der
Energie-Einspar-Verordnung für Neubauten erreicht werden.
„Die Architektin hat im Ausschuss klar gesagt, dass dies
nicht erreicht werden könne. Warum beschließt die Koalition
Anträge, die aus fachlicher Sicht gar nicht umsetzbar
sind?“, fragt die CDU.
Glühbirnen
sollen künftig der Vergangenheit angehören. Das will nicht
nur die Europäische Union, sondern jetzt soll dies in
vorauseilendem Gehorsam auch für Ober-Mörlen gelten. Wenn
Lichter öfter an und ausgeschaltet werden, verbraucht die
herkömmliche Glühbirne allerdings weniger Strom als die so
genannte Energiesparlampe. Dies konnte man kürzlich auch in
der Wetterauer Zeitung nachlesen, in der sich Fachleute
kritisch zu diesem Ansinnen geäußert haben. Auch hier lassen
die Hobby-Politiker von SPD, FWG und Grünen Expertenmeinung
nicht zählen.
Auf das
Standby-Verfahren soll künftig generell verzichtet werden.
Nach Ansicht der CDU wird in diesem Punkt besonders
deutlich, wie gefährlich diese Form des Öko-Fundamentalismus
sein kann. Beispielsweise beruhen Feuermeldeanlagen oder
Notausgangsbeleuchtungen wesentlich auf dem
Standby-Verfahren. Da könne man nicht sagen, das schaffen
wir einfach ab, so die CDU. Bauausschussmitglied Jan Weckler:
„Auch die CDU will möglichst auf das Standby-Verfahren
verzichten, aber ob das Sinn macht, muss im Einzelfall
geprüft werden. Pauschalverbote sind kontraproduktiv!“
Lediglich
in einem Punkt zeigten SPD, FWG und Grüne Einsicht und
folgten den CDU-Änderungsvorschlägen: Die Anschaffung von
Solaranlagen auf gemeindeeigenen Gebäuden soll unter Vorlage
einer Kosten-Nutzen-Rechnung unter Einbindung der
Gemeindevertretung geprüft werden.
Trotzdem
hat die CDU bei Anträgen dieser Art grundsätzliche Bedenken.
Für fast alle Bereiche, die der Antrag umfasst, gibt es
umfangreiche Regelungen auf Bundes- und Landesebene. Da ist
es aus Sicht der CDU sinnlos, ähnliche Regelungen auf
kommunaler Ebene noch mal zu treffen. Dies ist auch gar
nicht notwendig. Jan Weckler: „Keine Frage: Es ist sinnvoll,
die erneuerbaren Energien zu nutzen und den Energieverbrauch
zu senken. Doch das haben die Menschen längst eingesehen,
ganz ohne staatliche Verordnungen.“ |